Todesdarstellung

Verfasst von: Franke, Susanne

© Bayerisches Nationalmuseum München; Foto: Haberland, Walter; Inv.-Nr. MA 3450; Foto-Nr. D26038
Beispielexponat:

Der Tod auf einem Löwen reitend | 1513

Von Thomas Teichmann

„Der Tod auf dem Löwen reitend“ war Teil einer Uhr, die um 1500 für das Münster Heilsbronn, Grabeskirche der Hohenzollern, gefertigt wurde. In der naturnahen Figurengruppe, ursprünglich aus Lindenholz, verbindet sich die Darstellung des Todes mit der Vergänglichkeit alles Irdischen: Zu jeder vollen Stunde schlug das Skelett mit einem Knochen in seiner Rechten dem Löwen auf den Kopf, in dem sich eine Glocke verbarg. Dazu bewegte es gleichzeitig den Unterkiefer, und der Löwe streckte seine Zunge heraus. Im Mittelalter verkörperte das Skelett den Tod, der im Alltag der Menschen präsent war. Das Skelett trenne mit seiner Sense die Seele vom Körper, so die gängige Vorstellung. In der Zisterzienserabtei Heilsbronn organisierte die Uhr den Tagesrhythmus der Mönche, mahnte aber zugleich, dass selbst der Löwe, Zeichen für Stärke und Macht der Herrschenden (wie der Hohenzollern), besiegt werden.

Eikelmann, Renate (Hg.): Handbuch der kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen, 2. Aufl., München 2008, S. 84.

Aspekte, Zielgruppen & MethodenHilfe

Die Filter „Aspekte“, „Zielgruppen“ und „Methoden“ bedingen sich gegenseitig. Wählen Sie nach Belieben Felder aus, mindestens aber eine Methode. Anschließend erhalten Sie weiter unten entsprechend Ihrer Auswahl einen Vorschlag zur Anwendung der Methode auf das Exponat.

Aspekte

Zielgruppen

Büchert, Gesa

Zwei Teilnehmer/innen entwickeln und präsentieren ein Interview, das mit einem Exponat oder einem/r erfundenen Experten/in geführt wird.

Die Fragen beantworten die Teilnehmer/innen selbst mithilfe von Ausstellungstexten, Aufsätzen und Katalogbeiträgen, Informationen von Fachleuten und einer genauen Untersuchung des Exponats. Daraus entwickelt das Team einen Dialog in Form eines Interviews einer/es Besuchers/in oder Reporter/in mit einem Objekt oder einem/r Experten/in. Anschließend tragen sie das Interview mit verteilten Rollen der gesamten Gruppe vor. Um die Interviewsituation realistischer zu gestalten, kann ein Mikrofon als Requisite eingesetzt werden. 

Anwendung auf das Exponat Todesdarstellung

Franke, Susanne

Wer wollte nicht schon mal dem Tod eine Frage stellen? Die Personifikation des Todes kann das Thema Tod wie hier z. B. auflösen und zu einer lebendigen Interaktion anregen. Es bietet sich an, dies spielerisch zu nutzen. Ein/e Teilnehmer/in versetzt sich z. B. in die Rolle des Skeletts, und die anderen interviewen ihn/sie dabei: Wie hast du gelebt? Was machst du? Woher kommst du? Etc. Aber auch komplexere Fragen nach Moral, Sinnhaftigkeit, Jenseits o. Ä. können auf diese Weise diskutiert werden. Dann werden die Rollen getauscht, sodass jede/r einmal in die Rolle des Todes schlüpfen kann.
 

Wagner, Ernst/Dreykorn, Monika: Museum-Schule-Bildung, München 2007, S. 167.

Wagner, Ernst/Czech, Alfred: Methoden der Annäherung an Museumsobjekte, in: Kunst + Unterricht 323/324 (2008), S. 45–54, hier S. 54.

Wenzel, Birgit: Kreative und innovative Methoden. Geschichtsunterricht einmal anders, Schwalbach 2010, S. 182–187.

Passende Aspekte
  • Aussehen
  • Bedeutung
  • Details
  • Erzählung
  • Historischer Zusammenhang
  • Identität
  • Jenseitsvorstellungen
  • Religion
  • Vergänglichkeit
  • Zeit
Passende Zielgruppen
  • 6-10 Jahre
  • 10-13 Jahre
  • 13-16 Jahre
  • 16-18 Jahre
  • Berufliche Schulen
  • Förderschulen
  • Sprachlerngruppen
  • Familien
  • Kinder und Jugendliche
  • Erwachsene
  • Senioren
  • Inklusionsgruppen
  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Fluchterfahrung
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Überblick: Objektinterview

Büchert, Gesa

Kategorien

Recherchemethoden
Narrative Methoden

Ziele

Information vermitteln, eigenständige Recherchen fördern, selbständig Exponate erschließen

Eignungen

Besonders geeignet für ältere Schüler/innen,
weniger geeignet für Blinde

Zeitbedarf

ca. 30 Min. + Vortrag

Sozialformen
Einzelperson: 
Teilgruppe: 
Gesamte Gruppe: 
Material

Ausführliche Informationen zum Exponat, Zettel zum Notieren von Stichpunkten, evtl. ein Mikrophon

Bellaire, Catherine

Die Teilnehmer/innen vergleichen und recherchieren Funktionen von Objekten in verschiedenen Epochen und präsentieren ihre Ergebnisse.

Sie lernen maximal fünf Exponate kennen. Durch Recherche, Vergleiche und Brainstorming ermitteln die Teilnehmer/innen die ursprüngliche Funktion der Objekte. Gleichzeitig machen sie sich Gedanken darüber, ob ähnliche Objekte heute in gleicher Weise genutzt werden. So werden Unterschiede der Kulturen klar, aber auch Gemeinsamkeiten deutlich. Kleinere Kinder halten ihre Ideen zeichnerisch fest, Ältere präsentieren ihre Ergebnisse auf Tafeln und als Kurzvortrag.

Anwendung auf das Exponat Todesdarstellung

Franke, Susanne

Die Vor- und Darstellung vom Tod sind Ausdruck einer Gesellschaft und deshalb immer im Wandel. Im Mittelalter war der Tod allgegenwärtig und der Umgang mit ihm nicht außergewöhnlich. Das Letzte, das vom Menschen bleibt, ist sein Skelett. So entstanden der Sensenmann oder der Totentanz. Die aufkommende naturalistische Darstellung führte zu eindrucksvollen Bildern. Mit diesen Kontextinfos erarbeiten sich die Teilnehmer/innen Vorstellungen vom Tod in der heutigen Gesellschaft mit ihrer digitalen Prägung. Dabei können die Zusatzaspekte des Beispielexponats, Uhr/Zeit und Löwe/Stärke, helfen.

Czech, Alfred: Methodische Vielfalt in der personalen Vermittlung, in: Czech, Alfred/Kirmeier, Josef/Sgoff, Brigitte (Hg.): Museumspädagogik - Ein Handbuch. Grundlagen und Hilfen für die Praxis, Schwalbach/Ts. 2014, S. 198–224, hier: S. 203 f.

Bundesverband Museumspädagogik: Methodensammlung Museen und Kindergärten, 2010, Nr. 7,  https://www.museen-und-kindergaerten.de/methodenkartei/alle-methoden-auf-einen-klick/

Nettke, Tobias: Personale Vermittlung in Museen. Merkmale, Ansätze, Formate und Methoden, in: Commandeur, Beatrix u.a. (Hg.), Handbuch Museumspädagogik. Kulturelle Bildung in Museen, München 2016, S. 173–183, hier: S. 174–175.

Passende Aspekte
  • Aussehen
  • Bedeutung
  • Details
  • Erzählung
  • Historischer Zusammenhang
  • Identität
  • Jenseitsvorstellungen
  • Religion
  • Vergänglichkeit
  • Zeit
Passende Zielgruppen
  • 6-10 Jahre
  • 10-13 Jahre
  • 13-16 Jahre
  • 16-18 Jahre
  • Berufliche Schulen
  • Förderschulen
  • Sprachlerngruppen
  • Familien
  • Kinder und Jugendliche
  • Erwachsene
  • Senioren
  • Inklusionsgruppen
  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Fluchterfahrung
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Überblick: Damals–heute

Bellaire, Catherine

Kategorien

Recherchemethoden
Visuell-gestalterische Methoden
Assoziative Methoden
Narrative Methoden

Ziele

Bezüge zur eigenen Lebenswelt herstellen, Transferleistung fördern, Rechercheergebnisse sprachlich vermitteln

Eignungen

Besonders geeignet für kleinere Gruppen von max. 15 Teilnehmer/innen,
auch für Sprachlerngruppen

Zeitbedarf

30–40 Min.

Sozialformen
Einzelperson: 
Teilgruppe: 
Gesamte Gruppe: 
Material

Abbildungen, Literatur, Katalogtexte zur Recherche, Schreib- und Zeichenmaterial, evtl. Tafel oder Flipchart zur Präsentation der Ergebnisse

Reinlaßöder, Sophie

Teilnehmer/innen überlegen sich eigene erfundene Titel für Exponate.

Der bestehende Titel sollte unbekannt sein. Er kann bei einer Führung kurzzeitig abgedeckt werden. Die Teilnehmer/innen schreiben einen eignen Titel auf einen Zettel. Die Zettel werden dann auf den Boden vor das Objekt gelegt und in der Gruppe besprochen. Optional können die Teilnehmer/innen auch über die Vorschläge abstimmen.

Variante: Ein Gruppenteil schließt die Augen und der andere Gruppenteil überlegt sich einen Titel und nennt diesen der „blinden“ Gruppe. Danach erklärt die „blinde“ Gruppe, ob der erfundene Titel ihrer Meinung nach zum Exponat passte.

Anwendung auf das Exponat Todesdarstellung

Franke, Susanne

Die Widersprüchlichkeit, die z. B. in einem lebendigen Skelett steckt, bietet viel Raum, der Todesdarstellung einen Titel zu geben. Der Tod bleibt für Lebende immer abstrakt und wird in der heutigen Gesellschaft oft tabuisiert. Dabei gibt es in der Sprache viele Euphemismen, die den Übergang von lebend zu tot, das Sterben, umschreiben: hinscheiden, die letzte Reise antreten, fallen, ableben etc. Titel zu finden und Worte dafür zu bilden, hilft den Teilnehmer/innen, darüber zu kommunizieren und nachzudenken.

Bundesverband Museumspädagogik: Methodensammlung Museen und Kindergärten, 2010, Nr. 71, https://www.museen-und-kindergaerten.de/methodenkartei/alle-methoden-auf-einen-klick/

Passende Aspekte
  • Aussehen
  • Bedeutung
  • Details
  • Erzählung
  • Historischer Zusammenhang
  • Identität
  • Jenseitsvorstellungen
  • Religion
  • Vergänglichkeit
  • Zeit
Passende Zielgruppen
  • 6-10 Jahre
  • 10-13 Jahre
  • 13-16 Jahre
  • 16-18 Jahre
  • Berufliche Schulen
  • Förderschulen
  • Sprachlerngruppen
  • Familien
  • Kinder und Jugendliche
  • Erwachsene
  • Senioren
  • Inklusionsgruppen
  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Fluchterfahrung
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Überblick: Titel finden

Reinlaßöder, Sophie

Kategorien

Assoziative Methoden

Ziele

Wahrnehmung schulen, Kommunikation anregen

Eignungen

Geeignet für Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene,
weniger geeignet für Blinde,
zu beachten: Teilnehmer/innen sollten schreiben können 

Zeitbedarf

10–15 Min.

Sozialformen
Einzelperson: 
Teilgruppe: 
Gesamte Gruppe: 
Material

Papier, Stifte, Augenbinde (optional)

Franke, Susanne

Die Teilnehmer/innen verlinken das Exponat mit #s, so als ob sie ein Foto auf Instagram posten würden. Dies führt zum Verstehen des Exponats aus der Position der Teilnehmer/innen.

Denn sie werden in ihrer Welt der Social Media abgeholt. Das Wichtigste beim Posten bzw. fiktiven Posten eines Exponatfotos auf Instagram ist das Verlinken des Dargestellten mit #, Stichworten. Jeder # entspricht einer Rubrik vieler Fotos. So erreicht man Aufmerksamkeit und Interessierte, die dann das eigene Foto liken. Das bedeutet, der # definiert die Verbindung zu den anderen. Die Wortfindung sagt viel über die Teilnehmer/innen aus: Was ist ihnen wichtig, wie sehen sie persönlich den Kontext des Bildes, wie verstehen sie, was dargestellt ist, etc.

Anwendung auf das Exponat Todesdarstellung

Franke, Susanne

Gruppen von zwei, drei Teilnehmer/innen haben fünf Minuten Zeit, die Todesdarstellung fiktiv auf Instagram zu posten. Sie sollen sich dafür vorstellen, ein Foto vom Exponat zu machen und es dann mit #s zu verlinken. Was könnten sie z. B. am Skelett interessant finden: #gefährlich, #knochenausholz, #knocheninmotion, #dakanneinerschnitzen etc. Die gefundenen Stichwörter werden anschließend in der gesamten Gruppe vorgestellt und diskutiert. Damit wird der Zugang zur historischen Bedeutung, zum Kunsthandwerk, zur vergangenen Gesellschaft und zum abstrakten Thema Tod erleichtert.

Passende Aspekte
  • Aussehen
  • Bedeutung
  • Details
  • Erzählung
  • Historischer Zusammenhang
  • Identität
  • Jenseitsvorstellungen
  • Religion
  • Vergänglichkeit
  • Zeit
Passende Zielgruppen
  • 6-10 Jahre
  • 10-13 Jahre
  • 13-16 Jahre
  • 16-18 Jahre
  • Berufliche Schulen
  • Förderschulen
  • Sprachlerngruppen
  • Familien
  • Kinder und Jugendliche
  • Erwachsene
  • Senioren
  • Inklusionsgruppen
  • Menschen mit Behinderung
  • Menschen mit Fluchterfahrung
  • Menschen mit Migrationshintergrund

Überblick: Instagram-#-Methode

Franke, Susanne

Kategorien

Assoziative Methoden
Narrative Methoden
Spielerische Methoden

Ziele

Zugang zu abstrakten und historischen Inhalten schaffen und veranschaulichen, Kommunikation anregen, Wahrnehmung der Kontexte spielerisch definieren

Eignungen

Geeignet ab 10 Jahre, abhängig vom Social Media-Verhalten der Teilnehmer/innen,
besonders geeignet für Mittel-, Real- und berufliche Schulen

Zeitbedarf

15–30 Min.

Sozialformen
Einzelperson: 
Teilgruppe: 
Gesamte Gruppe: 
Material

Stifte und Papier

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