Michael Thonet, Stuhl Nr. 14, Besitz: Die Neue Sammlung – The Design Museum, Foto: Die Neue Sammlung (A. Laurenzo) © Thonet GmbH

Feuchtmayr, Andrea

Stuhl

Entwurf: Michael Thonet, Hersteller: Gebrüder Thonet, Wien

Stuhl Nr. 14 | um 1856

Info

Der Stuhl Nr. 14 von Michael Thonet gehört zu den erfolgreichsten industriell hergestellten Massenprodukten. Ab ca. 1869 produziert, wurde er bis 1930 50 Millionen mal verkauft und ist auch heute noch in einer leicht veränderten Form erhältlich. 
Als gelernter Schreiner verfügte Michael Thonet (Boppard 1796 - Wien 1871) über fundierte Material- und Konstruktionskenntnisse. Experimente in den 1830er-Jahren führten ihn über das Verformen von Schichtholz zum Bugholzverfahren mit Vollholz, eine Innovation in der Holztechnik, die zudem eine neue Formgebung ermöglichte. 
Stuhl Nr. 14 zeigt die gestalterisch überzeugende und kostengünstige Reduktion in Material und Konstruktion: Nur mehr sechs Teile werden mit Schrauben anstelle handwerklich angefertigter Holzverbindungen zusammengefügt.
Michael Thonet hat zudem neue Maßstäbe im Bereich Werbung und Vertrieb gesetzt.

Dunas, Peter/Schwartz-Clauss, Mathias/Rhode, Petra: 100 Masterpieces from the Vitra Design Museum Collection, Weil am Rhein 1995, S. 24.
Morteo, Enrico: Design-Atlas. Von 1850 bis heute, 3. Aufl., Köln 2013, S. 28f.
Godau, Marion: Produktdesign. Eine Einführung mit Beispielen aus der Praxis, Basel 2003.
Thillmann, Wolfgang: Perfektes Design. Thonet Nr. 14., Bielefeld 2015.
Hoyer, Eva-Maria (Hrsg.): Sitzen, Liegen, Schaukeln. Möbel von Thonet, Bielefeld 2014.

Anregungen für die Vermittlung Hilfe

Aspekte

  • alle aus/abwählen

Zielgruppen

  • alle aus/abwählen
  • alle aus/abwählen

Feuchtmayr, Andrea

Konstruktion meint das kreative zwei- oder dreidimensionale Gestalten ausgehend von einem Exponat.

Anders als die Rekonstruktion, das Nachgestalten eines Exponats, zielt die Konstruktion auf das eigene kreative Gestalten ab. Die Auseinandersetzung mit dem Exponat und Erfahrungen, die hierbei gemacht werden, werden kreativ umgesetzt und das Verständnis auf diese Weise vertieft. 
Als vorbereitende Methode erhalten die Teilnehmenden einen Gestaltungsauftrag bevor sie das Objekt sehen, sammeln dabei selbst gestalterische Erfahrungen und vergleichen dann die eigenen zwei- oder dreidimensionalen Entwürfe mit dem Exponat. Es eignen sich besonders Materialien, die einfach zu handhaben sind.

Anwendung auf das Exponat Stuhl

Feuchtmayr, Andrea

Zeichnerisch oder dreidimensional mit Papierdraht, Papierstreifen oder Knete erfinden die Teilnehmenden eigene Gestaltungen entweder für ein Detail, z. B. die Füllung der Rückenlehne, oder für neue Stühle.

Busse, Klaus-Peter: Lernbox Kunst. Das Methodenbuch, Seelze 2002, S. 82.
Busse, Klaus-Peter: Bildumgangsspiele: Kunst unterrichten, Dortmund 2004, S. 87.
Reich, Kersten: Konstruktivistische Didaktik. Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool, 4. Aufl., Weinheim und Basel 2008, S. 138 f.
Kohl, Mary-Ann F.: Die Kunst-Ideen-Kiste für Kinder. Kreativ experimentieren mit neuen Techniken, Mülheim an der Ruhr 2005, S. 96 f., 134.
Bezirk Oberfranken (Hrsg.): Musbi. Museum bildet. Methodenkärtchen, Bayreuth 2014.
Bundesverband Museumspädagogik: Methodensammlung Museen und Kindergärten, 2010, Nr. 17, 39, 46, https://www.museen-und-kindergaerten.de/methodenkartei/alle-methoden-auf-einen-klick/

Überblick Konstruktion

Feuchtmayr, Andrea

Kategorien

Visuell-künstlerische Methoden
Transmediale Methoden

Ziele
  • Kreativität fördern
  • Gestalterische Erfahrungen ermöglichen
  • Wahrnehmung schulen
  • Teilnehmende aktivieren 
Eignung

Wichtig: Gestaltungsaufgaben altersspezifisch abstimmen, einfach zu handhabende Materialien und für das Museum unbedenkliche Materialien verwenden

Zeitbedarf

5-10 Min.

Sozialform
Einzelperson:  
Teilgruppe:  
Gesamte Gruppe:  
Material

Papierdraht, Metallfolien-, Papierstreifen für dreidimensionales Gestalten
Papier-, Moosgummiformen als Legematerial
Papier, Stifte, Unterlagen für Zeichenaufgaben

Feuchtmayr, Andrea

Materialproben ermöglichen es, Materialeigenschaften eines Exponats zu erkunden.

Die Proben machen das Exponat erfahrbar, da in der Regel aus konservatorischen Gründen Museumsobjekte nicht berührt werden dürfen. Erhalten die Teilnehmenden Materialproben in die Hand, erleben sie haptisch Materialeigenschaften wie Oberflächenstruktur, Härte, Form, Gewicht oder auch Klang eines Materials. Der Einsatz von mehreren Materialproben ist sinnvoll, um im Vergleich besondere Eigenschaften und Unterschiede noch deutlicher zu erkennen. Auch bildlich dargestellte Materialien werden durch reale Materialproben "begreifbar".

Anwendung auf das Exponat Stuhl

Feuchtmayr, Andrea

Anhand mehrerer Materialproben testen die Teilnehmenden charakteristische Eigenschaften der Materialien, die für die Herstellung oder die Funktion eines Stuhl von Bedeutung sind: verschiedene Holzarten, Metalle und Kunststoffe, deren Oberflächenbearbeitung, Verbindungs- oder Herstellungstechniken. 
Bei Holzstühlen eignen sich zum Beispiel Materialproben gleicher Abmessung um das unterschiedliche Gewicht und somit die Holzhärte zu bestimmen. Geschreinerte Holzverbindungen, die die Teilnehmenden selbst zusammenstecken können, veranschaulichen handwerkliche Techniken.

Busse, Klaus-Peter: Bildumgangsspiele: Kunst unterrichten, Dortmund 2004, S. 87.
Seitz, Rudolf: Phantasie & Kreativität. Ein Spiel-, Nachdenk- und Anregungsbuch, München 1998, S. 56.
Bezirk Oberfranken (Hrsg.): Musbi. Museum bildet. Methodenkärtchen, Bayreuth 2014.
Bundesverband Museumspädagogik: Methodensammlung Museen und Kindergärten, 2010, Nr. 37, 47, 66, https://www.museen-und-kindergaerten.de/methodenkartei/alle-methoden-auf-einen-klick/ 

Überblick Materialproben

Feuchtmayr, Andrea

Kategorien

Assoziative Methoden
Emotionale Zugänge
Sinnesorientierte Methoden

Ziele
  • Wahrnehmung schulen
  • Materialeigenschaften eines Exponats erschließen
  • Informationen haptisch vermitteln
  • Teilnehmende aktivieren 
Eignung

Nur für das Museum unbedenkliche Materialproben verwenden
Bei Geschmacksproben allergische Reaktionen bedenken
Altersspezifische Auswahl

Zeitbedarf

5-10 Min.

Sozialform
Einzelperson:  
Teilgruppe:  
Gesamte Gruppe:  
Material

Verschiedene Stoffe, Holzarten, Metalle, Steine, Kunststoffe, Pigmente, Gewürze etc.
Verschiedene Holzverbindungen, Farbaufträge, Materialbearbeitungen etc.

Böhme, Claudia

Nachbilden meint das Abzeichnen oder Rekonstruieren eines Exponats in seiner Gesamtheit auf kreativ-gestalterische Weise. Sie kann jedoch auch nur auf ein Detail gerichtet sein.

Nachbildungen zielen darauf ab, dem Originalobjekt möglichst nahezukommen. Die Teilnehmenden können sich beispielsweise in ein Exponat einfühlen, indem sie Kompositionslinien in Kopien einzeichnen oder eine plastische Nachbildung aus Ton oder anderen Materialien kreativ gestalten. Weitere Möglichkeiten des Nachbildens sind lebende Bilder, Kostümierungen und davon Fotografien, Videoaufnahmen und Schnellskizzen. Nachgebildet werden kann auch der Raum, dessen Grundriss mit den Positionen von Figuren oder Objekten geklärt werden kann.

Anwendung auf das Exponat Stuhl

Feuchtmayr, Andrea

In Skizzen oder detaillierten Zeichnungen halten die Teilnehmenden die Gestaltung des Stuhls fest. Der Fokus der Zeichenaufgabe kann auch in einem Detail, z. B. der Füllung der Rückenlehne liegen. 
Eine dreidimensionale Rekonstruktion gelingt mit Papierdraht (Stahlrohr- und Bugholzstühle), Papierstreifen (Schichtholz- und Metallstühle) oder Knete (skulpturale Kunststoffstühle). 

Czech, Alfred: Geschichte in Kunst dechiffrieren. Bilder der Wirklichkeit - Wirklichkeit  der Bilder, in: GWU 68 (2017), 1-2, S. 75-87, hier S. 85.
Kirschenmann, Johannes / Schulz, Frank: Bilder erleben und verstehen. Einführung in die Kunstrezeption, Leipzig 1999, S. 45-47, hier S. 46.

Überblick Nachbilden

Böhme, Claudia

Kategorien

Visuell-künstlerische Methoden
Performative Methoden
Spielerische Methoden

Ziele
  • Sich mit dem Aufbau eines Exponats vertraut machen
  • Die historische Distanz begreifen
Eignung

Für Kinder ab 6 Jahren
Das Rekonstruieren dreidimensionaler Objekte eignet sich besonders für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen 

Zeitbedarf

10-30 Min.

Sozialform
Einzelperson:  
Teilgruppe:  
Gesamte Gruppe:  
Material

Reproduktionen als Vorlagen, Mal- oder Zeichenutensilien, Schere und Kleber, verschiedene Papiere oder Bildmaterial, Ton oder andere Materialien zum Modellieren

Czech, Alfred

Beim Vergleich werden die Teilnehmenden auf Unterschiede oder Ähnlichkeiten aufmerksam.

Ohne Vorwissen können die Teilnehmenden aus ihrer Wahrnehmung heraus zu den wichtigsten Erkenntnissen kommen. Dabei schult der Vergleich die Differenzierung der Wahrnehmung. Je nach Art des Vergleichs fokussiert er die Aufmerksamkeit auf Unterschiede oder Ähnlichkeiten. Je ähnlicher sich die Vergleichsobjekte im Museum sind, desto mehr "Feinheiten" entdecken die Teilnehmenden.

Es bieten sich zwei Möglichkeiten an: zum einen der Vergleich von Originalen, zum anderen der Vergleich von Originalen und Reproduktionen.

Anwendung auf das Exponat Stuhl

Feuchtmayr, Andrea

Mit dem Vergleich verschiedener Stühle lassen sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede hinsichtlich Gestaltung, Material, Technik, handwerklicher oder industrieller Produktionsweise gut erkennen. 
Um Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich zu machen, lassen sich Stühle unterschiedlicher Epochen vergleichen - beispielsweise ein Bugholzstuhl von Thonet mit Stahlrohrmöbeln aus der Bauhauszeit.

Czech, Alfred / Kirmeier, Josef / Sgoff, Brigitte (Hrsg.): Museumspädagogik - Ein Handbuch. Grundlagen und Hilfen für die Praxis, Schwalbach/Ts. 2014, S. 204.

Überblick Vergleich

Czech, Alfred

Kategorien

Recherchemethoden

Ziele
  • Differenziert wahrnehmen
  • Beobachtungskriterien anwenden
  • Kriterien entwickeln
  • Wertungen vornehmen
Eignung

Besonders geeignet für Schüler/innen ab 6 Jahren

Zeitbedarf

10-20 Min.

Sozialform
Einzelperson:  
Teilgruppe:  
Gesamte Gruppe:  
Material

Eventuell Reproduktionen, wie Abbildungen, Modelle oder Objekte

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